Stadtcafe

Geschichte

Vom "Cafe Stadtpark" zum "Kremser Stadtcafe"

"1904 wurden die direkt an das Steinertor anschließenden, ebenerdigen Häuser, darunter die ehemalige Pflastermaut, abgebrochen. Ebenso das mitten in den Platz vorspringende Haus Kasernstraße 8 (alte Numerierung!). Der Weg in den Stadtgraben führte westlich an diesem Haus vorbei.



Er wurde nun Friedhofgasse benannt, nach dem 1859 aufgelassenen Friedhof, der aber als Parkanlage mit schönen Grabdenkmälern noch bestand. Nach seiner Entfernung (1904) wurden während des 1. Weltkrieges Militärbaracken aufgestellt. 1923 errichtete die Sozialdemokratische Partei ihr Arbeiterheim. In den sechziger Jahren traten Wohnhäuser an die Stelle der Baracken. Der Stadtgraben wurde 1905 als Straße neben dem Steinertor geöffnet. An der nördlichen Platzseite wurde in diesem Jahr nach Plänen des Architekten Josef Utz der Jüngere, ein Wohnhaus im historisierenden Stil errichtet, das im Erdgeschoß ein »Wiener« Cafehaus enthielt. Utz junior nahm in der Fassaden-gestaltung Elemente seines nichtausgeführten Theaterentwurfes auf. Dieses projektierte Stadttheater sollte gegenüber dem Steinertor stehen ungefähr an der Stelle des dort später gebauten Kreisgerichtes. Das neue Cafe brachte ein wenig Flair der Haupt-und Residenzstadt Wien in die Schul- und Garnisonstadt Krems.



Vorbei am Cafe führte der Weg in die große Infanterie- und Pionierkaserne die damals voll belegt war. Von dort rückte zweimal in der Woche die Musikkapelle des Kremser Hausregimentes, den »Vierundachtzigern«, aus und spielte im Stadtpark zum Promenadenkonzert auf. Das konnte man im Sommer vom »Schanigarten« des Cafe Stadtparks aus verfolgen, im Winter zog man sich ins Innere zur Lektüre der zahlreichen in- und ausländischen Zeitungen zurück.



Die Einrichtung zeigte alle typischen Merkmale des damaligen Cafehauses: kleine Marmortische, Bugholzmöbel, Polsterbänke in den Sitznischen und bei den begehrten Plätzen in der »Auslage«, den großen Fenstern mit Aussicht auf den -damals noch namenslosen - Südtirolerplatz. Durch Jahrzehnte hieß es im Kremser Sprachgebrauch kurzgefaßt »Der Ulrich«, nach dem Besitzer so genannt. Meine Generation nannte es dann etwas despektierlich »Cafe Waldesruh« -aber das war schon in den sechziger Jahren. Da nagte schon der Zahn der Zeit sichtbar an der vorher beschriebenen Einrichtung, teilweise noch im Originalzustand vorhanden; unsichtbar am Besitzer, Ober und Publikum, die mit dem Cafe alt geworden waren. Die Konkurrenz der Espressi war groß, die Jugend etwas zu laut für die Stille des Kaffeetempels und seinen Gralshüter, den Ober Benno.



In der ersten Planung für die Wohngebäude des sogenannten Europazentrums (die Häuser zwischen Kaserne und Arbeitergasse auf den Gründen der ehemaligen Stadtgärtnerei) war auch der Abbruch des Cafe Stadtpark vorgesehen. An seiner Stelle sollte der Neubau des Wohn- und Geschäftsgebäudes, wegen seiner bogenge-schmückten Fassade im Volksmund »Pagode« genannt, bis vor das Steinertor geführt werden. Wenigstens dieser Teil der städtebaulichen Todsünde »Europazentrum« wurde nicht ausgeführt. Das Cafe blieb bestehen und wurde renoviert.





Im Laufe der Umgestaltung des Südtirolerplatzes erhielt es eine massiv gebaute Terrasse. Heute ist es wieder Treffpunkt für Jung und Alt. Gemeinsam mit der gegenüberliegenden Brauhof-Restauration bildet das Cafe gleichsam das Vorwerk zum Steinertor, das alle von Westen der Landstraße Zustrebenden passieren müssen."

(Kalt Ernst, Krems Einst und Jetzt, Handel & Gewerbe 1.Teil,
S.44 f., 1987, Selbstverlag)